Print im Marketingmix: Wie Printmedien Marken stärken
Rüdiger Maaß ist Geschäftsführer des Fachverbands Medienproduktion und Mitinitiator der Initiative WE.LOVE.PRINT. Er ist Mitveranstalter der PRINT DIGITAL CONVENTION und treibt die Vernetzung von Print- und Digitalwirtschaft mit Markenartikelindustrie und Marketing voran.
➔ Print stärkt Marken durch Material und Gestaltung
➔ Wie beeinflusst Haptik die Markenwahrnehmung?
➔ Warum Print beim Kunden wirken kann
➔ Printwerbung: Beispiele für unterschiedliche Marketingziele
➔ Den Erfolg von Printwerbung messen
➔ FAQ zu Print im Marketingmix
Druckweiterverarbeitung im Detail: Der Werkzeugkopf eines Flachbettsystems ist über einem farbig bedruckten Bogen positioniert.
Das Wichtigste in Kürze
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf fachlichen Impulsen und Zitaten von Rüdiger Maaß sowie auf Informationen des Fachverbands Medienproduktion und seiner Brancheninitiativen.
Sie wurden für diesen Ratgeber redaktionell aufbereitet und in den Kontext eines kanalübergreifenden Marketingmix eingeordnet.
Rüdiger Maaß ist Geschäftsführer des
Fachverbands Medienproduktion, im Porträt.
Goldfarbene Druckveredelung in der Nahaufnahme: Feine Linien und strukturierte Flächen erzeugen auf hellem Karton ein wechselndes Spiel aus Licht und Reflexionen.
Welche Rolle spielt Print im Marketingmix?
Print hat eine neue Rolle im Marketingmix: Gedruckte Kommunikation kann einen gezielten Kontakt schaffen, bei dem Menschen Inhalte lesen, die Gestaltung betrachten und das Material anfassen. Ein Kundenmagazin erklärt Zusammenhänge, eine Broschüre begleitet ein Beratungsgespräch, ein Mailing lädt zu einem nächsten Schritt ein. Welche dieser Aufgaben sinnvoll ist, hängt vom Kommunikationsziel und von der Situation der Empfänger ab.
Printmarketing bezeichnet den geplanten Einsatz gedruckter Medien zur Erreichung von Marketingzielen. Zum Print Marketing zählen beispielsweise Flyer, Broschüren, Kataloge, Kundenmagazine und postalische Mailings. Printwerbung umfasst dabei werbliche Inhalte; Printkommunikation kann darüber hinaus Wissen vermitteln und die Beziehung zu Kunden pflegen.
Innerhalb einer kanalübergreifenden Contentstrategie sollte deshalb feststehen, was der gedruckte Kontakt leisten soll und wo die Kommunikation anschließend weitergeht. Das Printprodukt kann eine Anwendung verständlich machen, während eine Website aktuelle technische Daten liefert. So erhält jeder Kanal eine begründete Aufgabe.
Print stärkt Marken durch Material und Gestaltung
Markenkommunikation besteht auch aus Entscheidungen, die sich nicht allein in einem Bildschirmmotiv abbilden lassen: Wie liegt eine Broschüre in der Hand? Wie lässt sie sich öffnen? Welche Oberfläche passt zur Gestaltung? Papier, Typografie, Bindung und Verarbeitung prägen gemeinsam den Eindruck des gedruckten Auftritts.
Wie beeinflusst Haptik die Markenwahrnehmung?
Haptik ergänzt die visuelle Botschaft um ertastbare Eigenschaften. Eine strukturierte Oberfläche, ein stabiler Umschlag oder eine Prägung bieten unterschiedliche Berührungserlebnisse. Haptisches Marketing nutzt solche Eigenschaften gezielt, damit Material und Markenbotschaft zusammenpassen. Eine hochwertige Anmutung entsteht dabei durch eine stimmige Gestaltung und sorgfältige Ausführung; ein hohes Papiergewicht allein sagt wenig über die Eignung aus.
»Printmedien bekommen –als einziges multisensorisches Medium eine neue Bedeutung.«
(Rüdiger Maaß, Medienproduktioner)
Dekorative Druckveredelung auf dunkelgrünem Untergrund: Ein metallisch glänzendes Rautenmuster umrahmt das reliefartig gestaltete Monogramm.
Rüdiger Maaß unterstreicht mit dieser Einschätzung die sinnliche Qualität von Print. Multisensorik bedeutet die Ansprache mehrerer Sinne und kommt auch bei anderen Medien und Erlebnissen vor. Für gedruckte Kommunikation liegt die besondere Möglichkeit darin, sichtbare Gestaltung und unmittelbar berührbares Material in einem Informationsmedium zu verbinden.
Für Unternehmen beginnt die Planung deshalb mit der gewünschten Wahrnehmung: Soll das Produkt sachlich orientieren, handwerkliche Sorgfalt vermitteln oder ein besonderes Angebot inszenieren? Danach lassen sich Papier, Format und Verarbeitung auswählen. Lesbarkeit, Handhabung und die spätere Nutzung sollten dabei ebenso berücksichtigt werden wie der erste Eindruck.
»Print ist in der Markenkommunikation ein Markenverstärker, kein Massenlautsprecher.«
(Rüdiger Maaß, Medienproduktioner)
Die Aussage lenkt den Blick auf die Qualität des Kontakts. Vertrauen und Glaubwürdigkeit können wachsen, wenn nachvollziehbare Inhalte, verlässliche Angaben und ein sorgfältig produziertes Printprodukt zusammenpassen. Die Materialwahl unterstützt diesen Eindruck; sie ersetzt keine überzeugende Botschaft.
Warum Print beim Kunden wirken kann
Ein gedrucktes Medium lässt sich in einem selbst gewählten Tempo nutzen, aufbewahren und erneut aufschlagen. Es kann dadurch einen wiederkehrenden physischen Kontaktpunkt bilden.
Ob daraus längere Aufmerksamkeit, bessere Erinnerung oder emotionale Bindung entsteht,
hängt unter anderem von Inhalt, Gestaltung, Relevanz und Nutzungssituation ab.
Das Printprodukt bildet einen physischen Touchpoint innerhalb der Customer Journey.
»Print macht Marken fühlbar, bedeutungsvoll und erinnerungsstark –
und genau das ist sein Beitrag zur starken Markenkommunikation.«
(Rüdiger Maaß, Medienproduktioner)
Goldglänzender Reliefschriftzug auf rotem Untergrund: Die plastisch hervorgehobenen Buchstaben und die strahlenförmige Struktur verleihen der Drucksache eine markante Tiefenwirkung.
Print und Digital verbinden
Print und Online Marketing lassen sich kombinieren, indem beide ein gemeinsames Ziel verfolgen und aufeinander Bezug nehmen. Crossmedia Marketing bedeutet hier, die Inhalte und Funktionen der Kanäle miteinander zu verknüpfen. Eine gedruckte Anwendungsgeschichte kann Interesse vertiefen; eine dazugehörige Landingpage bietet anschließend ein Video, aktuelle Informationen oder eine konkrete Kontaktmöglichkeit.
Der digitale Übergang muss einen erkennbaren Nutzen haben. Ein QR-Code oder eine kurze Webadresse sollte direkt zu dem Inhalt führen, der im Printprodukt angekündigt wird. Auf einer allgemeinen Startseite müssten Leser die Verbindung erst selbst suchen. Ebenso sollten Motiv, Begriffe und Angebot auf beiden Seiten zusammenpassen.
Value Added Printing unterstützt die Customer Journey
Value Added Printing beschreibt Druckprodukte mit zusätzlichem Nutzen, etwa durch Veredelung, Personalisierung oder ergänzende Funktionen. Eine digitale Verknüpfung ist eine mögliche Ausprägung: Ein gedrucktes Muster kann zu Verarbeitungshinweisen führen, eine Broschüre zu einer Produktvorführung. Der Mehrwert liegt darin, eine konkrete Aufgabe der Leser zu erleichtern.
Printwerbung: Beispiele für unterschiedliche Marketingziele
Welche Printmedien eignen sich für welche Marketingziele? Die Auswahl beginnt beim Informationsbedarf. Für eine kurze Einladung ist ein anderes Format geeignet als für einen ausführlichen Anwendungsvergleich. Die folgenden Crossmedia-Marketing-Beispiele zeigen mögliche Kombinationen für die Kampagnenplanung.
| Marketingziel | Printformat und Aufgabe | Digitale Fortsetzung |
|---|---|---|
| Termin oder Veranstaltung anbahnen | Postkarte oder Print Mailing mit Anlass und klarem Nutzen | Direkte Anmeldung auf einer passenden Landingpage |
| Angebot erklären | Broschüre mit Anwendungsfall und Auswahlhilfe | Video, technische Details oder Beratungstermin |
| Material erlebbar machen | Musterkarte oder Musterfächer zum Betrachten und Anfassen | Verarbeitungshinweise und aktuelle Produktinformationen |
| Kundenbeziehung vertiefen | Kundenmagazin mit relevanten Fachthemen | Vertiefender Ratgeber und weiterführender Kontakt |
Bei einer Kampagne für ein neues Material könnte beispielsweise eine Musterkarte den ersten greifbaren Eindruck ermöglichen. Ein QR-Code führt zu einer Seite mit passenden Anwendungen und einer Möglichkeit, Fragen zu stellen. Vorab wird festgelegt, ob die Kampagne vor allem Beratungsgespräche, Musteranfragen oder eine andere Reaktion auslösen soll. Erst diese Zuordnung macht das Zusammenspiel überprüfbar.
Wann lohnt sich Printmarketing im B2B?
Printmarketing im B2B ist besonders prüfenswert, wenn ein Angebot Erklärung oder Materialerfahrung braucht, ausgewählte Geschäftskunden gezielt angesprochen werden sollen oder ein Printprodukt ein persönliches Gespräch sinnvoll ergänzt. Eine Broschüre kann mehreren Beteiligten im Unternehmen als gemeinsame Informationsgrundlage dienen. Eine Musterkarte kann Eigenschaften zeigen, die ein Bild nur eingeschränkt vermittelt.
Eine wirtschaftliche Entscheidung berücksichtigt den Wert des Kontakts ebenso wie Produktions- und Versandkosten. Kleine, gezielt eingesetzte Auflagen können sinnvoll sein, wenn Empfänger und Anlass gut gewählt sind. Für kurzfristig wechselnde Preise oder umfangreiche, häufig aktualisierte Daten ist die digitale Ergänzung besonders wichtig.
Printmedien: Vor- und Nachteile im Marketingmix abwägen
Printmedien bieten Vorteile, wenn ihre physische Form zur Aufgabe passt: Sie machen Material erfahrbar, lassen sich weitergeben und können ohne Bildschirm gelesen werden. Bei Printwerbung entstehen Vorteile zudem durch die Möglichkeit, Botschaft, Format und Haptik auf einen konkreten Anlass abzustimmen. Daraus ergibt sich jedoch keine pauschale Überlegenheit gegenüber digitaler Werbung.
Zu den Nachteilen zählen Produktionsvorlauf, Kosten für Druck und Distribution sowie die begrenzte Änderbarkeit fertiger Drucksachen. Unpassende Inhalte oder schlecht ausgewählte Empfänger verursachen Streuverluste. Auch ein aufwendig gestaltetes Printprodukt kann ungelesen bleiben. Planen Sie deshalb zunächst Zielgruppe, Aussage und nächsten Schritt und erst danach Auflage und Ausstattung.
Den Erfolg von Printwerbung messen
Wer den Erfolg von Printwerbung messen möchte, sollte das gewünschte Ergebnis vor der Produktion festlegen. Ein QR-Scan zeigt zunächst einen Übergang zum digitalen Inhalt. Eine qualifizierte Anfrage oder ein zusätzlicher Auftrag liegt näher am Geschäftsziel. Für Markenwirkung sind wiederum andere Messungen erforderlich, beispielsweise Befragungen zur gestützten und ungestützten Erinnerung.
Kampagnenspezifische Webadressen, QR-Codes oder Aktionscodes helfen, Reaktionen zuzuordnen. Bei der Auswertung sollten Mehrfachaufrufe und der festgelegte Messzeitraum berücksichtigt werden. Zudem erfasst ein digitaler Aufruf nicht jeden Printkontakt: Leser können direkt anrufen, das Material weitergeben oder die Website später ohne Kampagnenlink besuchen.
Um den zusätzlichen Beitrag von Print abzuschätzen, eignet sich ein möglichst zufällig aufgeteilter Vergleich: Eine Gruppe erhält die digitale Kommunikation, eine zweite zusätzlich den Printkontakt. Angebot, Zeitraum und sonstige Maßnahmen sollten vergleichbar sein. Unterschiede sind gemeinsam mit Gruppengröße und Unsicherheit zu bewerten. Für eine Wirtschaftlichkeitsrechnung zählen die zusätzlichen Erträge beziehungsweise Deckungsbeiträge im Verhältnis zu den zusätzlichen Kampagnenkosten.
Metallische Akzente im Verpackungsdesign: Ein silberfarbener KESSLER-Schriftzug trifft auf ein roséfarbenes Flaschendetail mit fein strukturierter Oberfläche.
Vier Fragen vor der Produktion
- Welches konkrete Kommunikationsziel soll der Printkontakt unterstützen?
- Welche Empfänger benötigen genau diese Information oder Materialerfahrung?
- Welcher nächste Schritt wird angeboten, und funktioniert der digitale Übergang?
- Woran und in welchem Zeitraum wird der Erfolg gemessen?
Die Aufgabe von Print bestimmt den passenden Medienmix
Print kann die digitale Kommunikation wirksam ergänzen, wenn die jeweiligen Aufgaben klar verteilt sind. Seine besondere Stärke liegt darin, Informationen mit berührbarem Material und bewusster Gestaltung zu verbinden. Ob daraus Vertrauen, Erinnerung oder Kundenbindung entstehen, entscheidet sich an der Qualität des gesamten Kontakts.
Für Marketingverantwortliche, Gestaltung und Druckproduktion ergibt sich daraus eine gemeinsame Aufgabe: Kommunikationsziel, Inhalt, Papier, Verarbeitung und digitale Fortsetzung zusammen planen. So wird Print im Marketingmix zu einem begründeten Bestandteil der Markenkommunikation, dessen Nutzen sich gezielt entwickeln und überprüfen lässt.
Fachverband Medienproduktion e. V. FMP
Der Fachverband Medienproduktion e. V. FMP ist ein Branchenverband für Medienproduktion und Kommunikationsprozesse. Er bündelt Fachwissen unter anderem zu Printproduktion, Digitaldruck, Papier, Veredelung, Nachhaltigkeit und crossmedialer Kommunikation.
WE.LOVE.PRINT
WE.LOVE.PRINT ist eine vom Fachverband Medienproduktion e. V. getragene Brancheninitiative und Plattform. Sie verbindet Unternehmen und Fachkräfte der Druck- und Medienbranche und behandelt insbesondere Print in der Omnichannel-Kommunikation, Nachhaltigkeit, Weiterbildung und Nachwuchsförderung.
Programmatic Print Alliance PPA
Die Programmatic Print Alliance PPA ist eine Brancheninitiative des Fachverbands Medienproduktion e. V. Sie beschäftigt sich mit datenbasierten, automatisiert erzeugten und individualisierten Printmedien innerhalb der One-to-One- und Omnichannel-Kommunikation.
IGEPA group
Die IGEPA group wurde 1960 gegründet und zählt heute zu den führenden Fachgroßhandelsgruppen für Papier und Druckzubehör, Werbetechnik und Verpackungen in Europa. Mit einem der umfassendsten Sortimente der Branche betreuen wir über 90.000 Kundinnen und Kunden aus Industrie, Handel und Gewerbe – zuverlässig, verantwortungsvoll und lösungsorientiert.
Unsere Unternehmensgruppe ist heute in 23 Ländern aktiv, mit 79 Standorten und einem starken Netzwerk eigenständig geführter Gesellschaften unter gemeinsamer strategischer Ausrichtung. Die nachhaltige Entwicklung unserer Gruppe stützt sich auf rund 2.950 Mitarbeitende im In- und Ausland, auf modernste Logistikstrukturen sowie auf einen wachsenden
internationalen Verbund.