Wer ist für die Ladeeinheitensicherung verantwortlich? Pflichten, Haftung und Transportschäden klar erklärt

Logistikmitarbeiter mit Schutzhelm und Tablet in Lagerhalle mit Regalsystemen für Verpackung und Versand

Verantwortung und Kontrolle bei der Ladeeinheitensicherung im Lager.

Das Wichtigste in Kürze: Verantwortung und Haftung bei der Ladeeinheitensicherung


  • Die Verantwortung für eine korrekt gesicherte Ladeeinheit verteilt sich auf vier Rollen: Absender, Verlader, Fahrer und Halter, wobei jede Rolle einen eigenen Pflichtenbereich hat.
  • Absender und / oder Verlader trägt die Hauptverantwortung für die ordnungsgemäße Sicherung der Ladeeinheit vor dem Transport, denn er baut die Palette auf und stellt ihre Stabilität sicher.
  • Fehlerhafte oder fehlende Ladeeinheitensicherung kann zu Bußgeldern, Fahrzeugstilllegung, Haftungsansprüchen und im Extremfall zu strafrechtlichen Konsequenzen bei grober Fahrlässigkeit führen.
  • EUMOS 40509 und DIN 55415 sind die zentralen Testmethoden beziehungsweise Normen, die sich direkt auf die Sicherung von Ladeeinheiten beziehen und als Orientierungsrahmen dienen.
  • Organisationsverschulden entsteht, wenn nicht einzelne Mitarbeitende, sondern fehlende Prozesse und unklare Zuständigkeiten im Unternehmen die Ursache für Transportschäden sind.


Bei der Ladeeinheitensicherung tragen mehrere Beteiligte Verantwortung und die Grenzen zwischen diesen Rollen sind nicht immer trennscharf. Wer nicht weiß, wo die eigene Verantwortung beginnt und endet, riskiert im Schadensfall nicht nur Reklamationen und Kosten, sondern auch Haftungsansprüche. Dieser Beitrag ordnet die Verantwortlichkeiten klar und praxisnah ein, ohne rechtliche Beratung zu ersetzen.

Grundlagen der Ladeeinheitensicherung in der Logistik


Eine Ladeeinheit ist eine logistische Einheit, die sich als Ganzes transportieren, lagern und handhaben lässt. In der Praxis ist das fast immer eine beladene Palette. Ladeeinheitensicherung bezeichnet alle Maßnahmen, die dafür sorgen, dass diese Einheit auf dem Weg zum Empfänger stabil bleibt und die Ware unbeschädigt ankommt. Das klingt nach Grundlagenwissen. In der betrieblichen Realität ist es aber erstaunlich oft nicht konsequent umgesetzt.



Begriff Bedeutung in der Praxis
Ladeeinheit Palette mit aufgebrachter und gesicherter Ware, die als geschlossene Transporteinheit behandelt wird.
Ladeeinheitensicherung Alle Maßnahmen zur Stabilisierung der Ware auf der Palette: Stretchfolie, Umreifungsbänder, Antirutschpapier, Kantenschutz.
Betriebssichere Verladung Sicherung der Ladeeinheit so, dass beim Transport weder Ware noch Personen durch Verrutschen oder Kippen gefährdet werden.

Eine korrekte Kennzeichnung der Ladeeinheit gehört ebenfalls zur ordnungsgemäßen Vorbereitung für den Transport.

Warum ist eine sichere Ladeeinheit im Transport so wichtig?


Wenn eine Ladeeinheit instabil ist, zeigen sich die Folgen selten sofort, aber fast immer irgendwann. Verrutschte Ware, eingedrückte Kartons, beschädigte Produkte beim Entladen: Diese Schäden entstehen nicht durch Zufall, sondern durch fehlende oder unzureichende Sicherung. Dazu kommen Verzögerungen, Reklamationen und Ausschuss mit Folgekosten, die weit über den reinen Materialwert hinausgehen. Noch schwerer wiegt die Gefährdung von Menschen. Eine instabile Palette, die beim Entladen mit dem Hubwagen kippt, ist eines der häufigsten Unfallszenarien im Versand- und Lagerbetrieb. Wer Ladeeinheitensicherung als rein logistisches Thema behandelt, unterschätzt ihre Reichweite. Es geht um Arbeitssicherheit, Verantwortung gegenüber dem eigenen Team und die Frage, welche Prozesse ein Unternehmen tatsächlich im Griff hat.

Infografik zu Folgen mangelhafter Ladeeinheitensicherung: rechtliche Risiken, Verletzungsgefahr und beschädigte Waren

Risiken mangelhafter Ladeeinheitensicherung für Menschen, Waren und Betriebsabläufe.

Verantwortlichkeiten bei der Ladeeinheitensicherung


Bei der Ladeeinheitensicherung trägt nicht eine einzelne Person die Verantwortung, sondern mehrere Beteiligte entlang der Prozesskette. Das ist in der Praxis eine der häufigsten Ursachen für Missverständnisse: Jeder geht davon aus, dass ein anderer bereits geprüft hat. Wer die Verantwortlichkeiten nicht eindeutig regelt, erhöht das Schadensrisiko erheblich.


Rolle Kernverantwortung Typisches Risiko bei Fehlern
Absender Hat gemäß HGB § 411 und 412 für eine ausreichende Ladeeinheitensicherung zu sorgen. Dies hat eher einen zivilrechtlichen Charakter, die Verantwortung bezieht sich eher auf die Erhaltung der Produktqualität während des Transports. Transportschäden, Versicherung verweigert die Leistung aufgrund mangelhafter Ladeeinheitensicherung.
Verlader Ordnungsgemäße Sicherung der Ladeeinheit mit geeigneten Mitteln wie Stretchfolie, Umreifungsbändern und Antirutschpapier, wenn er hierzu den Auftrag vom Absender erhält. Verladen der Einheit auf den Transportträger. Ware verrutscht aufgrund mangelhafter Sicherung. Bußgeld und Punkte im Verkehrsregister bei Verstoß, Geld- / Freiheitsstrafen bei fahrlässiger Körperverletzung bzw. Tötung.
Fahrer Sichtprüfung der Ladeeinheit vor Fahrtantritt, Meldung offensichtlicher Mängel, Nachsicherung, falls sich die Ladeeinheitensicherung während der Fahrt löst. Nachsicherung ohne geeignete Sicherungsmittel und Maschinen nicht möglich, Sanktionierung wie Verlader.
Halter Technisch einwandfreies Fahrzeug, das für den sicheren Transport der Ladeeinheiten geeignet ist. Stellung eines fachlich versierten Fahrers. Haftung bei technischen Mängeln des Fahrzeugaufbaus, die zu Schäden beitragen, bzw. bei fachlichen Mängeln des Fahrers.


Diese Verantwortlichkeiten sollten im Unternehmen eindeutig geregelt sein: schriftlich festgehalten, für alle Beteiligten bekannt und in bestehende Abläufe integriert. Eine mündliche Vereinbarung reicht dafür nicht aus.

Welche Verantwortung tragen Absender und Verlader?


Absender und Verlader tragen die zentrale Verantwortung bei der Ladeeinheitensicherung. Entweder ist der Absender auch Verlader, oder er beauftragt einen Verlader mit der Sicherung seiner Ladeeinheiten. Der Absender ist gemäß HGB § 411 und 412 für eine ausreichende Sicherung verantwortlich, die die Produkte vor Beschädigung schützt. Hier geht es um die Verantwortung, die Produktqualität während Transport und Umschlag zu erhalten. Der Verlader ist für die Bildung einer Beförderungssicherheit der Ladeeinheit vor Fahrtantritt des Fahrzeugs verantwortlich. Er baut, falls es der Absender nicht bereits getan hat, die Palette auf, wählt die Sicherungsmittel aus und stellt sicher, dass die fertige Ladeeinheit stabil, standsicher und für den Transport geeignet ist. Dazu gehört die korrekte Anwendung von Stretchfolie, Umreifungsbändern und Antirutschpapier ebenso wie die Kontrolle, ob die Last gleichmäßig verteilt ist und die Einheit beim Handling nicht gefährdet wird. Hier handelt es sich um eine öffentlich-rechtliche Verantwortung, die bei Verstößen mit Bußgeldern, Punkten im zentralen Verkehrsregister, oder bei fahrlässigen Körperverletzungen bzw. Tötungen mit hohen Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden kann.

Fehler an dieser Stelle wirken sich außerdem direkt auf die gesamte Transportkette aus. Wenn eine Ladeeinheit bereits beim Verladen instabil ist, lässt sich das auf dem Weg zum Empfänger nicht mehr ausgleichen, weil dem Fahrer i.d.R. die geeigneten Sicherungsmittel fehlen. Absender und Verlader können sich im Schadensfall nicht darauf berufen, dass der Fahrer hätte prüfen müssen. Die Verantwortung für eine gesicherte Einheit liegt bei demjenigen, der sie aufgebaut und / oder übergeben hat.

Welche Verantwortung trägt der Fahrer?


Der Fahrer übernimmt mit Fahrtantritt eine Prüf- und Mitverantwortung. Er ist nicht dafür zuständig, die Ladeeinheitensicherung selbst durchzuführen, aber er ist verpflichtet, die Ladeeinheit auf offensichtliche Mängel zu kontrollieren, bevor er das Fahrzeug bewegt. Stellt er dabei Probleme fest, muss er diese melden und darf nicht losfahren. Und falls sich während der Fahrt eine Sicherung löst, ist er zur Nachsicherung verpflichtet. Und an dieser Stelle hapert es in den meisten Fällen, da nicht die geeigneten Sicherungsmittel und Maschinen bzw. Geräte vorhanden sind.

Also gilt: Wer einen erkennbaren Mangel ignoriert und trotzdem fährt, trägt im Schadensfall Mitverantwortung. Die betriebssichere Ladeeinheitensicherung ist deshalb nicht allein Sache des Verladeteams, sondern ein gemeinsamer Prozess von Verlader und Fahrer.

Welche Verantwortung trägt der Unternehmer als Absender, Verlader, und / oder Frachtführer?


Der Unternehmer trägt die übergeordnete organisatorische Gesamtverantwortung. Er ist dafür verantwortlich, dass im Betrieb klare Prozesse für die Ladeeinheitensicherung existieren, dass Mitarbeitende geschult sind und dass Zuständigkeiten eindeutig geregelt sind. Wenn diese Voraussetzungen fehlen, spricht man von Organisationsverschulden: Nicht eine einzelne Person hat versagt, sondern das System selbst hat keinen ausreichenden Schutz geboten.

Wichtig: Diese Verantwortung lässt sich nicht vollständig delegieren. Auch wenn der Unternehmer selbst nicht im Versand arbeitet, haftet er dafür, dass dort die richtigen Rahmenbedingungen herrschen. Das ist keine abstrakte rechtliche Feinheit, sondern ein relevantes Risiko im betrieblichen Alltag.

Der rechtliche Rahmen: Was Verlader und Unternehmer wissen müssen


Ein eigenständiges Gesetz mit dem Titel „Ladeeinheitensicherung“ gibt es in Deutschland nicht. Das bedeutet aber nicht, dass der rechtliche Rahmen fehlt. Verschiedene Regelwerke schaffen zusammen die Grundlage dafür, dass alle Beteiligten in der Transportkette klare Pflichten haben. Wer diese kennt, kann Verantwortlichkeiten im eigenen Unternehmen besser zuordnen und vermeidet im Schadensfall unangenehme Überraschungen. Der folgende Überblick ist als praxisnahe Orientierung gedacht und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.


Regelwerk Worum geht es? Für wen relevant?
§ 22, § 23 StVO Pflicht zur Sicherung der Ladung im Fahrzeug, sodass keine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer entsteht Fahrer, Verlader
§ 412, 414 HGB Verantwortung für eine ordnungsgemäße Verpackung / Sicherung und Transport der Ladeeinheit Absender, Verlader, Frachtführer
VDI 2700 Blatt 7 2 Regel der Technik, die die Sicherung von Ladung / Ladeeinheiten auf der Ladefläche des Transportträgers vorgibt Verlader, Unternehmer
EUMOS 40509 Europäischer Standard für die dynamische Prüfung von Ladeeinheiten Absender, Verlader, Qualitätssicherung
DGUV Vorschrift 1, 70 Unfallverhütungsvorschriften allgemein und auf Fahrzeugen Unternehmer, Fahrer

Was regeln § 22, 23 StVO?


Der § 22 der Straßenverkehrsordnung verpflichtet dazu, die Ladung im Fahrzeug so zu sichern, dass sie bei normalen Fahrbewegungen, also Bremsen, Kurvenfahrten oder Ausweichmanövern, nicht verrutscht oder fällt. Diese Vorschrift richtet sich an Absender und Verlader. Und zwar hinsichtlich einer beförderungssicheren Verpackung der Ladeeinheit.

Der entscheidende Punkt für die betriebliche Praxis: Eine unstabile Ladeeinheit, die bereits auf der Palette Schwächen hat, lässt sich im Fahrzeug kaum mehr sicher fixieren. § 22 StVO schafft damit indirekt den Anreiz, auf eine sorgfältige Ladeeinheitensicherung zu achten, denn wer dort spart, riskiert, dass die Anforderungen auf Fahrzeugebene nicht mehr erfüllbar sind. Bei Kontrollen durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität wird geprüft, ob die Ware stabil steht. Eine instabile Ladeeinheit kann daher zu einem Bußgeld führen.

Welche Bedeutung haben § 412, 414 HGB?


§ 412, 414 des Handelsgesetzbuches schreibt eine ausreichende Verpackung / Sicherung der Ladeeinheit vor und macht dabei deutlich: Absender und Verlader tragen die Verantwortung. Das schließt die Vorbereitung und Sicherung der Ladeeinheit auf der Ladefläche ausdrücklich ein. Wenn Transportschäden entstehen, weil die Ladeeinheit mangelhaft aufgebaut war, kann sich der Frachtführer auf diese Regelung berufen und die Haftung auf den Absender beziehungsweise den Verlader verweisen.

Für Unternehmen, die regelmäßig Ware versenden, ist das ein zentraler Punkt. Die Verantwortung endet nicht damit, dass die Ware das Lager verlässt. Sie endet erst dann, wenn eine ordnungsgemäß gesicherte Ladeeinheit an den Frachtführer übergeben wurde.

Welche Rolle spielen VDI 2700, EUMOS 40509 und DGUV Vorschrift 1, 70?


Während die gesetzlichen Regelwerke die Pflichten beschreiben, liefern Regeln der Technik und technische Normen die konkreten Handlungsempfehlungen. VDI 2700 Blatt 2 ist dabei das Regelwerk, das die Sicherung der Ladung / Ladeeinheit auf der Ladefläche des Transportträgers beschreibt.

EUMOS 40509 geht noch einen Schritt weiter: Dieser europäische Standard beschreibt, wie Ladeeinheiten dynamisch geprüft werden können, also unter realistischen Fahrbedingungen. Ein nach EUMOS 40509 geprüfter Verpackungsprozess zeigt, dass die Einheit tatsächlich hält, was sie halten muss. Für qualitätsbewusste Versandbetriebe ist das ein handfestes Argument gegenüber Kunden und Partnern. Polizei und BALM haben somit die Möglichkeit, die Qualität der Ladeeinheitensicherung anhand fester technischer Parameter zu prüfen.

Die DGUV Vorschrift 70 ergänzt diesen Rahmen aus der Perspektive der Arbeitssicherheit. Sie betrifft den Fahrzeugbetrieb und regelt, unter welchen Bedingungen Be- und Entladevorgänge sicher durchgeführt werden dürfen. Für Unternehmer ist sie damit ein Hinweis darauf, dass Ladeeinheitensicherung nicht nur eine logistische, sondern auch eine arbeitsschutzrechtliche Dimension hat.

Beförderungs- und Betriebssicherheit


Zwei Begriffe, die im Versandalltag häufig durcheinandergeraten und dabei sehr unterschiedliche Sachverhalte beschreiben. Wer sie verwechselt, verteilt Verantwortung falsch und erhöht damit das Risiko für Schäden, Haftungsfragen und Sicherheitsprobleme.


Betriebssicherheit Beförderungssicherheit
Worum geht es? Erhaltung der Ladeeinheitensicherung während des Transports Regelkonforme Sicherung einer Ladeeinheit vor Fahrtantritt
Wer ist primär verantwortlich? Fahrer und Unternehmer Absender und / oder Verlader
Was wird gesichert? Die Ladeeinheit auf der Ladefläche des Transportträgers Ware auf einem Ladungsträger
Typische Sicherungsmittel

Zur Erhaltung der Ladeeinheitensicherung: Stretchfolie, Umreifungsbänder, Antirutschpapier, Kantenschutzleisten, Dehnbänder

Für die Ladeeinheit auf der Ladefläche:

Zurrgurte, Antirutschmatten, Kantenschoner, Zwischenwandverschlüsse, Staupolster
Stretchfolie, Umreifungsbänder, Antirutschpapier, Kantenschutzleisten, Dehnbänder

Was bedeutet betriebssichere Verladung?


Betriebssicherheit bedeutet, dass die Sicherungsqualität einer Ladeeinheit während der Fahrt erhalten bleibt, sodass die Ware auch bei Ladelücken standsicher ist. Der Begriff richtet sich damit in erster Linie an den Fahrer. Eine Palette, die betriebssicher ist, schützt die Verkehrteilnehmer und auch den Fahrer selbst.

Warum ist die Unterscheidung für die Praxis wichtig?


Weil beide Anforderungen gleichzeitig erfüllt sein müssen und sich gegenseitig bedingen. Eine Ladeeinheit, die nicht beförderungssicher aufgebaut wurde und für den Transport unzureichend gewickelt ist, wird auf der Straße Probleme machen. Umgekehrt nützt die beste Stretchfolie wenig, wenn die Lastverteilung auf der Palette schon beim Beladen falsch war und die Einheit beim ersten Hubwageneinsatz in der Empfangshalle kippt.

In der Praxis lässt sich die Unterscheidung nutzen, um Verantwortlichkeiten klärer zuzuordnen: Beförderungssicherheit ist eine Frage der Transportvorbereitung. Betriebssicherheit eine Frage des Verantwortungsbewusstseins, der Ausbildung und der technischen Ausstattung des Fahrers.

Organisationsverschulden als Unternehmensrisiko


Wenn Transportschäden entstehen, suchen Unternehmen die Ursache oft zuerst bei einzelnen Mitarbeitenden. In vielen Fällen liegt das Problem aber tiefer: Es fehlen klare Prozesse, Schulungen finden nicht statt, Zuständigkeiten sind mündlich vereinbart und damit im Zweifelsfall nicht nachweisbar. Genau das beschreibt der Begriff Organisationsverschulden. Nicht ein einzelner Fehler ist das Problem, sondern ein System, das keinen ausreichenden Schutz geboten hat.

Für Unternehmer und Geschäftsführer ist das relevant, weil Organisationsverschulden die Haftung auf die Unternehmensebene verlagert. Es reicht nicht, darauf zu verweisen, dass im konkreten Fall ein Mitarbeitender einen Fehler gemacht hat, wenn gleichzeitig keine Schulungen, keine Checklisten und keine schriftlichen Verantwortlichkeiten existieren.

Welche Folgen hat Organisationsverschulden?

Die Konsequenzen sind vielschichtig und reichen über den einzelnen Schadensfall weit hinaus. Im Überblick:

  • Haftungsansprüche Dritter können nicht auf einzelne Mitarbeitende abgewälzt werden, wenn die Ursache in fehlenden Strukturen liegt.
  • Versicherungsansprüche können entfallen oder gekürzt werden, wenn grobe organisatorische Versäumnisse nachgewiesen werden.
  • Bei schweren Unfällen durch instabile Ladeeinheiten drohen im Extremfall strafrechtliche Konsequenzen wegen grober Fahrlässigkeit.
  • Reputationsschäden entstehen, wenn Kunden oder Partner von strukturellen Mängeln im Versandprozess erfahren.

Diese organisatorischen Maßnahmen senken das Haftungsrisiko spürbar: schriftlich fixierte Verantwortlichkeiten je Rolle, regelmäßige Schulungen für das Verladeteam, dokumentierte Eingangskontrollen bei der Ladeeinheitenübernahme sowie eine klare Eskalationsregel, wenn Mängel festgestellt werden.

Wer haftet für Transportschäden?


Die Frage nach der Haftung bei Transportschäden lässt sich nicht pauschal beantworten, weil sie immer vom konkreten Einzelfall abhängt. Was sich aber klar sagen lässt: Haftung folgt Verantwortung. Wer im Prozess der Ladeeinheitensicherung eine Rolle trägt und diese Rolle nicht ordnungsgemäß ausfüllt, kann zur Verantwortung gezogen werden. In der Praxis bedeutet das, dass Transportschäden selten nur einer einzigen Person zuzuordnen sind, sondern häufig aus dem Zusammenspiel mehrerer Fehler entstehen.

Der Absender haftet, wenn die Produktverpackung ungeeignet war oder der Palettenaufbau von Anfang an instabil war. Der Verlader haftet, wenn die Ladeeinheitensicherung mangelhaft durchgeführt wurde. Der Fahrer trägt Mitverantwortung, wenn er erkennbare Mängel nicht gemeldet hat. Der Unternehmer haftet auf organisatorischer Ebene, wenn fehlende Prozesse oder Schulungen die Ursache für den Schaden sind. Dieser Blickwinkel ist wichtig, weil er deutlich macht: Wer Verantwortlichkeiten im Vorfeld klar regelt und dokumentiert, schützt sich im Schadensfall besser als jemand, der auf mündliche Absprachen vertraut.

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Welche Risiken entstehen für Menschen und Ware?

Instabile Ladeeinheiten gefährden nicht nur die Ware, sondern vor allem die Menschen, die täglich mit ihnen arbeiten. Eine Palette, die beim Entladen mit dem Hubwagen kippt, ein Karton, der sich aus einer unzureichend gewickelten Einheit löst und fällt: Das sind keine theoretischen Szenarien, sondern reale Unfallursachen im Versand- und Lagerbetrieb. Die Folgen reichen von Sachschäden und Reklamationen bis hin zu Arbeitsunfällen mit ernsthaften Verletzungen.

Für die Ware selbst entstehen durch unzureichende Ladeeinheitensicherung typischerweise verrutschte oder gekippte Paletten, eingedrückte Kartons, Bruchschäden bei empfindlichen Produkten sowie Druckstellen und deformierte Verpackungen. Jeder dieser Schäden verursacht Folgekosten: Ersatzlieferungen, Ausschuss, Reklamationsbearbeitung und im schlimmsten Fall den Verlust einer Kundenbeziehung.

Welche wirtschaftlichen Folgen entstehen für Unternehmen?

Schlechte Ladeeinheitensicherung ist teurer als gute. Das klingt simpel, wird aber in der Praxis regelmäßig unterschätzt, weil die Kosten nicht immer direkt sichtbar sind. Die offensichtlichen Posten sind Ersatzlieferungen, Rücksendungen und Reklamationsbearbeitung. Dazu kommen weniger sichtbare Folgen: Verzögerungen in der Lieferkette, gebundene Kapazitäten im Kundenservice, steigende Versicherungsprämien nach wiederholten Schadenfällen und im Extremfall der Verlust von Versicherungsansprüchen.

Hinzu kommt der Reputationsschaden. Ein Kunde, der wiederholt beschädigte Ware erhält, zieht Schlüsse über die Professionalität des gesamten Unternehmens. Wer hier als zuverlässiger Partner wahrgenommen werden will, muss Ladeeinheitensicherung als festen Bestandteil seiner Qualitätssicherung betrachten, nicht als nachgelagerten Kostenfaktor.

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Verantwortlichkeiten zu kennen ist der erste Schritt. Der zweite ist, die eigenen Prozesse daran auszurichten und im Zweifel prüfen zu lassen. IGEPA Packaging bietet dafür einen kostenlosen Ladeeinheitensicherungs-Check an: eine praxisnahe Analyse von Material, Maschineneinstellungen und Abläufen rund um die Ladeeinheitensicherung. Das Ergebnis ist eine konkrete Einschätzung, wo Verbesserungspotenzial liegt und welche Maßnahmen den größten Effekt haben.

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