Packplatz ergonomisch optimieren: Greifwege verkürzen und Papierzufuhr integrieren

Einen Packplatz optimieren Sie ergonomisch, indem Sie alles, was Sie für jedes Paket brauchen, in den inneren Greifraum legen und das Füllpapier genau dort austreten lassen, wo die Hand ohnehin hingreift. Ein neuer Packtisch ist dafür selten nötig. Der schnellste Weg ist der Umbau des vorhandenen Arbeitsplatzes, bei dem Sie Material neu anordnen, ein Papierfüllsystem integrieren und Positionen vereinheitlichen. Warum sich dieser Umbau lohnt, zeigen die Fehlzeiten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) schätzt die Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit für das Jahr 2024 auf 134 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hatten in der BAuA-Auswertung für das Jahr 2023 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems. Am Packarbeitsplatz entsteht die Belastung aus wiederholten Griffen über die Tischkante hinaus, aus Drehungen zum Regal und aus dem Bücken nach Nachschub. Wer den Versandprozess optimieren will, findet hier einen Hebel, der Belastung und Zeit pro Paket gleichzeitig senkt. Genau dort setzen wir bei IGEPA Packaging an: zuerst die Anordnung, danach die Technik.

Fünf gelb-schwarze Papierfüllsysteme in verschiedenen Montagepositionen oberhalb, seitlich und unterhalb eines Packtischs

Papierfüllsysteme in verschiedenen Montagepositionen am Packtisch: Die Integration ermöglicht eine platzsparende Papierzufuhr und eine gezielte Anordnung der Papierausgabe im Greifraum.

Die fünf Kernaussagen dieses Ratgebers vorab im Überblick:

Kurz zusammengefasst

  • Ein ergonomischer Packplatz ordnet Material nach Entnahmehäufigkeit und Größe: Handliches für jedes Paket liegt im inneren Greifraum, Kartons der häufigsten Größen liegen im äußeren, der Schichtnachschub steht außerhalb.
  • Greifwege am Packplatz verkürzen Sie zuerst über neue Positionen für Material und Werkzeug und erst danach über zusätzliche Technik.
  • Den ergonomischen Packplatz bauen Sie aus dem vorhandenen Arbeitsplatz, indem Sie Material versetzen, Ablagen ergänzen und Systeme in den Packtisch integrieren.
  • Ein Papierfüllsystem gehört mit seiner Papierausgabe in den Greifraum und braucht freien Zugang zum Nachfüllen; passt die Standardhalterung nicht an den Tisch, entsteht eine Sonderbefestigung.
  • Einheitliche Materialpositionen an allen Packplätzen verkürzen die Einarbeitung wechselnder Mitarbeiter, den Nutzen belegt eine Vorher-nachher-Messung der Greifbewegungen.

Packplatz ergonomisch gestalten: Greifraum statt Laufwege


Ein ergonomischer Packplatz ist ein Arbeitsplatz, an dem Mensch, Arbeitsmittel und Material so zueinanderstehen, dass jedes Paket ohne Umweg entsteht. Ob Sie ihn Packarbeitsplatz oder Verpackungsarbeitsplatz nennen, ändert nichts am Prinzip. Die allgemeinen Grundlagen der Ergonomie im Lager behandelt unser Whitepaper zur Ergonomie am Arbeitsplatz. Hier geht es um die Anordnung des Materials, und die beginnt mit zwei Begriffen.

Welche Rolle spielen Greifraum und Greifbereich beim Verpacken?


Der Greifraum ist der Bereich, den Ihre Hände von einem festen Standort aus erreichen, ohne dass Sie den Oberkörper beugen, drehen oder einen Schritt machen. Die Ergonomie unterscheidet dabei einen inneren und einen äußeren Greifraum. Im inneren Greifraum arbeiten Sie mit angewinkeltem Unterarm und dicht am Körper, hier sind Griffe am schnellsten und am wenigsten belastend. Der äußere Greifraum reicht bis zum gestreckten Arm und eignet sich für Gelegentliches. Den Begriff Greifbereich verwendet die Praxis meist gleichbedeutend, gemeint ist dann die konkrete Fläche auf dem Packtisch, auf der Material und Bedienelemente liegen.

Beim Verpacken entscheiden Entnahmehäufigkeit und Größe, was in welche Zone gehört. Füllpapier, Klebeband und Versandetikett brauchen Sie bei jedem Paket, und sie sind handlich, also gehören sie in den inneren Greifraum. Kartons brauchen Sie ebenfalls bei jedem Paket, sie sind aber zu sperrig für den Bereich direkt vor dem Körper und liegen deshalb im äußeren Greifraum. Nachschub und seltene Kartongrößen stehen außerhalb. Die Übersicht ordnet die typischen Materialien am Packarbeitsplatz zu.



Zone Entnahme Material am Packplatz
Innerer Greifraum bei jedem Paket,
handlich
Papierausgabe des Füllsystems, Klebebandabroller, Versandetikett
Äußerer Greifraum bei jedem Paket,
sperrig
Kartons der häufigsten Größen
Außerhalb des Greifraums einmal pro Schicht
oder seltener
Papiernachschub, Kartons in Sondergrößen, Ersatzrollen

Wie weit Ihr eigener Packplatz von dieser Ordnung entfernt ist, zeigen die Greifwege.

Wie lassen sich Greifwege am Packplatz verkürzen?


Greifwege am Packplatz verkürzen Sie in drei Schritten. Zuerst beobachten Sie eine Stunde lang einen Mitarbeiter und notieren jeden Griff, der den Greifraum verlässt, jede Drehung und jedes Bücken. Danach sortieren Sie die Materialbereitstellung am Packplatz nach der Zonenlogik um. Erst im dritten Schritt prüfen Sie, ob ein System das Material näher an die Hand bringt. Die Reihenfolge ist wichtig, weil der Umbau der Anordnung ohne Investition auskommt und sofort wirkt.

Die Gegenüberstellung zeigt typische Veränderungen an einem gewachsenen Packarbeitsplatz. Pauschale Zeitgewinne nennen wir bewusst nicht, denn sie hängen von Warenkorb, Kartonvielfalt und Tischmaß ab.


Material Vorher Nachher
Füllmaterial Sack oder Karton am Boden neben dem Tisch Papierausgabe des Füllsystems direkt über der Arbeitsfläche
Kartons Sack oder Karton am Boden neben dem Tisch Fächer für die drei häufigsten Größen am Tischende
Klebeband liegt lose auf der Tischfläche fester Halter im inneren Greifraum
Nachschub im Lager, ein Gang pro Wechsel Schichtvorrat am Packplatz außerhalb des Greifraums

Die größte Wirkung hat dabei die erste Zeile, denn Füllmaterial greifen Sie bei jedem Paket. Wie Sie das an einem bestehenden Arbeitsplatz umsetzen, ohne ihn neu zu kaufen, klären wir im nächsten Abschnitt.

Packplatz einrichten: Bestehende Arbeitsplätze umbauen statt ersetzen


Die meisten Packplätze sind nicht geplant, sondern über Jahre gewachsen. Das ist kein Grund für einen Neukauf, denn was die Zonenlogik verlangt, setzen Sie am vorhandenen Tisch um.

Wie lässt sich ein bestehender Packplatz ergonomisch optimieren?

Einen bestehenden Packplatz optimieren Sie mit drei Arten von Eingriffen, die Sie in dieser Reihenfolge prüfen. Erstens versetzen: Material, Abroller und Drucker wandern in die Zone, die ihrer Entnahmehäufigkeit entspricht. Zweitens ergänzen: Fächer für Kartons, ein Halter für das Klebeband oder ein Aufsatz für Etiketten schaffen feste Plätze, wo bisher gestapelt wurde. Drittens integrieren: Ein Papierfüllsystem rückt die Materialzufuhr in den Greifraum und ersetzt den Sack am Boden.

Bevor Sie umbauen, prüfen Sie die Arbeitshöhe. Ist der Tisch für die Person davor zu hoch oder zu niedrig, arbeitet sie mit hochgezogenen Schultern oder gebeugtem Rücken, egal wie gut das Material liegt. Was beim Tisch selbst zählt, fasst unser Ratgeberbeitrag zum richtigen Packtisch zusammen. Wer den Packplatz einrichten will, beginnt mit der Anordnung und entscheidet erst danach über Technik.

Der dritte Eingriff ist der anspruchsvollste, deshalb sehen wir ihn uns genauer an.

Wie wird ein Papierfüllsystem in einen vorhandenen Packplatz integriert?

Ein Papierfüllsystem integrieren Sie in einen vorhandenen Packplatz, indem Sie vier Fragen beantworten:

  1. Wo steht das System, ohne Arbeitsfläche zu belegen? Halterung, Standgestell oder Sammelgestell schaffen Raum, statt ihn zu nehmen.
  2. Tritt das Papier im inneren Greifraum aus? Die Ausgabe gehört auf die Seite, auf der die Hand den Karton füllt, damit sich die Arme nicht kreuzen.
  3. Erreicht die Person das Bedienelement, ohne den Platz zu verlassen? Schalter und Fußtaster liegen dort, wo Hand oder Fuß ohnehin sind.
  4. Kommt sie zum Nachfüllen an das Papier heran, ohne den Tisch auszuräumen? Der Wechsel von Rolle oder Stapel darf den Arbeitsplatz nicht blockieren.

Für die Platzierung gibt es eine große Auswahl an Standardgestellen, mit denen sich die Systeme ergonomisch anordnen lassen. Passt keine Standardlösung, etwa weil der Tischrahmen nicht zur Halterung passt, entsteht eine kundenindividuelle Befestigung, und der Tisch bleibt stehen. Deshalb analysieren wir bei IGEPA Packaging vor jeder Integration zuerst den vorhandenen Packtisch und planen erst dann die Halterung.

Schwieriger wird es, wenn auf dem Tisch kaum noch Fläche frei ist.

Welche Möglichkeiten gibt es bei wenig Platz am Packtisch?


Bei wenig Platz am Packtisch entscheiden Sie zwischen vier Einbauvarianten, und keine davon braucht zusätzliche Arbeitsfläche. Ein ergonomischer Packtisch entsteht hier nicht durch mehr Fläche, sondern dadurch, dass das System über, neben oder unter der Fläche sitzt und nur die Papierausgabe in den Greifraum ragt.

Für die Montage am Tisch eignen sich kompakte Systeme wie das Papierfüllsystem SpeedMan® Flex, das ausdrücklich für Integrationen mit geringem Platzbedarf und auch für die dezentrale Aufstellung auslegt ist. Für Polsterpapier gibt es das Papierpolstersystem PaperJet® mit Gestellen direkt am Arbeitsplatz oder als zentrale Lösung für mehrere Packplätze. Eine Integration unter der Tischplatte prüfen wir gern am konkreten Setup, weil sie von Tischaufbau und Nachfüllweg abhängt. Die Übersicht zeigt, welche Variante zu welcher Ausgangslage passt.


Ausgangslage Einbauvariante Systembeispiel
Stabiler Tischrahmen, Fläche voll belegt Halterung am Tisch,
Ausgabe über der Arbeitsfläche
Sprick SpeedMan® Flex
Tisch nicht für Montage geeignet Standgestell neben dem Tisch Sprick SpeedMan® Flex
Mehrere Packplätze in einer Reihe zentrales Gestell für mehrere Plätze Sprick PaperJet®
Kein Platz über und neben dem Tisch Integration unter der Tischplatte,
Prüfung am konkreten Setup
Sprick PaperJet®

Wer den passenden Einbau gefunden hat, steht vor der nächsten Frage: Wie bleibt der Packplatz bedienbar, wenn ständig andere Menschen daran arbeiten?

SpeedMan® FleX Papierfüllsystem


Gelb-schwarzes Papierfüllsystem auf einem schwarzen Standfuß mit Papierrolle, Rollenhalter und herausgeführtem Füllpapier

SpeedMan® FleX Papierfüllsystem: Papierfüllsystem auf Standfuß zur Bereitstellung von Füllpapier neben dem Packtisch – mit frei zugänglichem Rollenhalter für den Papiernachschub.

PaperJet® Papierpolstersystem


Gelb-schwarzes Papierpolstersystem mit braunem Papierstapel, sichtbarer Papierzufuhr und fahrbarem Gestell

PaperJet® Papierpolstersystem: Fahrbares Papierpolstersystem mit Papierzufuhr vom Stapel zur Bereitstellung von Polstermaterial direkt am Packplatz.

Standardisierung und Nachweis: Wenn wechselnde Mitarbeiter am Packplatz stehen


Ergonomie in der Logistik zahlt sich erst aus, wenn ein Packplatz für jeden funktioniert, der dort arbeitet, und wenn Sie seinen Nutzen belegen.

Wie lässt sich ein Packplatz für wechselnde Mitarbeiter gestalten?

Einen Packplatz für wechselnde Mitarbeiter gestalten Sie nach einer einfachen Regel: Die Materialpositionen sind überall gleich, nur die Einstellungen passen sich der Person an. Liegt das Klebeband an jedem Tisch rechts vorn und tritt das Papier immer an derselben Stelle aus, findet eine Aushilfe im Peak ihren Platz ohne Suchen. Die Einarbeitung beschränkt sich dann auf den Ablauf statt auf die Frage, wo was liegt.

Individuell bleiben Arbeitshöhe und Füllmenge. Die Höhe stellen Sie über verstellbare Tische oder Podeste auf die jeweilige Person ein. Die Füllmenge hängt am System: Über die Teaching-Funktion des SpeedMan® Flex lernen Sie ndividuelle Förderlängen ein, sodass niemand die Papiermenge schätzen muss. Für Fulfillment-Dienstleister mit mehreren Standorten hat die gleiche Belegung einen zweiten Vorteil, denn Packarbeitsplätze werden untereinander vergleichbar.

Diese Vergleichbarkeit brauchen Sie auch, um den Effekt eines Umbaus nachzuweisen.

Wie wird der Nutzen einer verbesserten Materialanordnung überprüft?

Den Nutzen einer verbesserten Materialanordnung überprüfen Sie mit derselben Beobachtung, mit der Sie begonnen haben, nur zweimal. Zählen Sie vor und nach dem Umbau eine Stunde lang die Griffe außerhalb des Greifraums, die Sekunden für die Suche nach Material und jedes Verlassen des Platzes.

Entscheidend sind gleiche Bedingungen. Dokumentieren Sie Uhrzeit, Warenkorb, Kartongrößen und die Person am Tisch, denn ein anderer Auftragsmix verfälscht jeden Vergleich. Fragen Sie die Mitarbeiter zusätzlich, wo sie nach der Schicht Belastung spüren, denn diese Rückmeldung zeigt, was keine Zählung erfasst.

Wer den Versandprozess optimieren will, verbindet diese Werte anschließend mit Taktzeit und Durchsatz. Wie Sie beide berechnen, zeigt unser Beitrag dazu, wie Sie den Verpackungsprozess optimieren, wenn Auftragsspitzen kommen.

Damit liegen alle Bausteine für den Umbau auf dem Tisch.

Fazit: Ergonomie am Packplatz ist eine Frage der Anordnung


Einen Packplatz optimieren Sie ergonomisch nicht über neue Möbel, sondern über die Position jedes einzelnen Materials. Wer nach Entnahmehäufigkeit sortiert, das Füllsystem in den vorhandenen Tisch integriert und die Positionen an allen Plätzen vereinheitlicht, senkt Belastung und Zeit pro Paket zugleich. Die Messung vor und nach dem Umbau macht den Effekt sichtbar.

Für den nächsten Schritt haben wir die Grundlagen gebündelt. Unser kostenloser Ratgeber „Effizient verpacken im E-Commerce und Fulfillment“ enthält Prüffragen für Ihren eigenen Packplatz und zeigt, wie die Ergonomie mit Geschwindigkeit, Transportschutz und Nachhaltigkeit zusammenspielt.

IGEPA Packaging

IGEPA Packaging unterstützt Unternehmen mit Verpackungslösungen für Versand, Lager, Transport und industrielle Prozesse – von einzelnen Verbrauchsmaterialien
bis zur Optimierung kompletter Verpackungsabläufe.

IGEPA group

Die IGEPA group wurde 1960 gegründet und zählt heute zu den führenden Fachgroßhandelsgruppen für Papier und Druckzubehör, Werbetechnik und Verpackungen in Europa. Mit einem der umfassendsten Sortimente der Branche betreuen wir über 90.000 Kundinnen und Kunden aus Industrie, Handel und Gewerbe – zuverlässig, verantwortungsvoll und lösungsorientiert.

Unsere Unternehmensgruppe ist heute in 23 Ländern aktiv, mit 79 Standorten und einem starken Netzwerk eigenständig geführter Gesellschaften unter gemeinsamer strategischer Ausrichtung. Die nachhaltige Entwicklung unserer Gruppe stützt sich auf rund 2.950 Mitarbeitende im In- und Ausland, auf modernste Logistikstrukturen sowie auf einen wachsenden internationalen Verbund.