Print trifft Digital: Wie Smart Packaging die Zukunft der Druckbranche verändert

Headerbild mit 2 Menschen im Interview zum Thema: Print trifft Digital: Wie Smart Packaging die Zukunft der Druckbranche verändert

Wenn Verpackung zum digitalen Kommunikationskanal wird


Die Grenzen zwischen Print und Digital verschwimmen. Verpackungen, einst rein physische Schutz- und Werbeträger, werden zunehmend zu vernetzten Schnittstellen zwischen Marke, Produkt und Verbraucher. Digitale Technologien wie QR-Codes, NFC-Chips oder Augmented Reality ermöglichen ein völlig neues Maß an Interaktion und Transparenz – von der Rückverfolgbarkeit bis zur personalisierten Markenkommunikation.

Im Rahmen der Print & Digital Convention 2025 sprachen Sabine Goemann (IGEPA Group), Stefan Casey (Touch / SharpEnd) und Uwe Melichar (Melichar Bros) darüber, wie sich die Printwelt mit dem digitalen Universum verbinden lässt – und welche Chancen darin für Druckereien, Marken und Agenturen liegen.

Interview auf der Print & Digital Convention in Düsseldorf 2025

„Wir müssen aufhören, die Bausteine isoliert zu betrachten“


Stefan Casey:

„Einen typischen Arbeitstag gibt es für mich gar nicht. Ich bewege mich in einem großen Ökosystem aus Druckereien, Materiallieferanten, Marken und Agenturen – und genau dieses Zusammenspiel ist entscheidend. Nur, wenn alle Akteure zusammenwirken, gewinnen wir gemeinsam.“

 

Diese Haltung beschreibt die neue Realität im Verpackungsdesign: Print, Technologie und Strategie wachsen zusammen. Casey betont, dass die Branche vor einem Wendepunkt steht:


„Die Zeit ist reif für den Digitaldruck. Wir müssen die Chancen nutzen, statt in alten Strukturen zu verharren.“

„Wir möchten die Printwelt mit dem digitalen Universum zusammenführen“


Stefan Casey und Uwe Melichar über die Zukunft von Verpackungen:

"Eine Verpackung kann weit mehr, als dafür zu sorgen, dass ein Verbraucher ein Erzeugnis unbeschädigt nutzen kann. Dass sie werben kann für den liefernden Hersteller oder Händler, weiß jeder Drucker. Doch ist auch allgemein bekannt, dass digitale Elemente auf Verpackungen unter Umständen Leben retten können?"

Auf die oft verblüffenden digitalen Zusatznutzen weisen die Packaging-Spezialisten Stefan Casey und Uwe Melichar im Interview mit Sabine Goemann von der IGEPA Group hin. Um diese Zusatznutzen den Druckereien zur Verfügung zu stellen, haben Caseys britische Agentur Touch und die Melichar Bros eine umfassende Kooperation vereinbart. Die drei sprachen am Rande der Print-Digital-Convention 2025 miteinander.

Uwe Melichar auf der Print & Digital Convention in Düsseldorf 2025

Nachhaltigkeit trifft Digitalisierung


Auch Uwe Melichar sieht in der Digitalisierung eine notwendige Erweiterung klassischer Verpackungskommunikation:

„Die EU-weite Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) verlangt Marken, Herstellern und Materiallieferanten viel ab. Neben den Pflichtangaben bleibt kaum Platz für Storytelling oder Herkunftsinformationen. Deshalb müssen wir den kommunikativen Raum ins Digitale erweitern.“

Digitale Tools wie QR-Codes oder Weblinks ersetzen dabei nicht den Druck, sondern ergänzen ihn sinnvoll. So können Verpackungen gleichzeitig rechtlichen, nachhaltigen und emotionalen Ansprüchen gerecht werden – ohne zusätzliche Flächen oder Ressourcen zu verbrauchen.

QR-Codes als Brücke zwischen Print und Digital


Stefan Casey:

„Viele denken bei QR-Codes nur an Werbung oder Gewinnspiele. Aber sie können viel mehr leisten – bis hin zur Rettung von Leben.“

Ein Beispiel: Verbraucher können über einen aufgedruckten QR-Code Allergene oder Inhaltsstoffe in ihrer Sprache abrufen, ohne winzige Texte auf der Verpackung lesen zu müssen. Gleichzeitig kann ein digitaler Layer Nachhaltigkeitsinformationen, Produktionswege oder Recyclingtipps vermitteln – direkt am Regal, per Smartphone.

 

Anwendungen und Mehrwerte von QR-Codes im Smart Packaging


Anwendungsfeld Beispiel Mehrwert für Nutzer & Marken
Produktsicherheit Rückverfolgbarkeit, Authentifizierung Schutz vor Fälschungen, Transparenz in der Lieferkette
Gesundheit & Sicherheit Allergiehinweise, Dosierungsinfos Zugang zu individuellen Gesundheitsdaten
Nachhaltigkeit Recycling- und CO₂-Infos Umweltkommunikation ohne zusätzliche Druckfläche
Marketing & UX Gamification, Loyalty-Programme Direkte Kundenbindung & Markeninteraktion
After-Sales & Support Gebrauchsanleitungen, Tutorials Reduktion von Beipackzetteln & Servicekosten
Stefan Casey auf der Print & Digital Convention in Düsseldorf 2025

Diese Form der Connected Packaging Experience verbindet Information, Vertrauen und Interaktion und eröffnet Druckereien völlig neue Geschäftsfelder

„Fügt man der physischen Verpackung ein digitales Erlebnis hinzu, erschafft man eines der leistungsstärksten Kommunikationsmittel überhaupt“, sagt Casey.

Es gibt vielfältige Ansätze, QR-Codes im Sinne einer angereicherten User-Experience zu nutzen.


Stefan Casey:

„Natürlich brauchen wir immer noch Werbung sowie die physische Erfahrung und wir wissen um die Bedeutung der multisensorischen Verpackung. Fügt man ihr jedoch auch noch vernetzte Verpackungserlebnisse hinzu, erschafft man eines der leistungsstärksten Kommunikationsmittel überhaupt. Das ist sehr spannend, wird aber immer noch gern missverstanden.“

Deutschland muss aufholen – aber die Basis ist da


Uwe Melichar:

„Ja, in Deutschland gibt es Skepsis gegenüber digitaler Veränderung. Aber wir müssen lernen, diesen neuen Technologien zu vertrauen. Wir sind auf dem Weg – nur eben langsamer als andere.“

Gemeinsam mit Touch arbeitet Melichar an Projekten für internationale Marken wie PepsiCo, Unilever oder Monolith. Sein Wunsch: Mehr Offenheit in Europa.

„Ich würde gern mehr mit deutschen Unternehmen wie Dr. Oetker oder Tchibo arbeiten. Sie haben starke Marken und hohe Qualitätsansprüche – perfekte Voraussetzungen für Smart Packaging.“

Vom Trend zur Transformation


Die digitale Erweiterung von Verpackungen ist längst kein Zukunftsthema mehr. Sie schafft messbaren Mehrwert in vier Dimensionen:

Bereich Vorteil Beispiel
Nachhaltigkeit Reduktion von Papierbeilagen, optimierte Kommunikation Digitale Gebrauchsanweisungen statt Mehrsprachdruck
Kundennähe Echtzeitdialog & personalisierte Inhalte QR-basiertes Loyalty-System
Markenschutz Fälschungssicherheit & Herkunftsnachweis Blockchain-verknüpfte Seriennummern
Effizienz Datenbasierte Prozesse & Analytics Echtzeit-Auswertung von Scans & Engagement
 

Nun ist man aber gerade in Deutschland bezüglich dieses Wandels doch recht skeptisch. Digitale Informationen lassen sich ja jederzeit verändern.


Man muss einfach den Einstieg finden und Experten wie Uwe und Stefan vertrauen, um Lösungen zu finden.

Persönlicher Austausch bleibt unverzichtbar


Trotz aller Digitalisierung betont Uwe Melichar, wie wichtig der menschliche Dialog bleibt:

„Gespräche vor Ort, auf Konferenzen oder in Projekten sind durch nichts zu ersetzen. So entstehen Vertrauen, Innovation und Partnerschaft – auch im digitalen Zeitalter.“

Fazit: Die Zukunft ist hybrid – Print & Digital im Einklang


Die Verschmelzung von Print und Digital markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Verpackung. Smart Packaging ist nicht nur technologische Innovation, sondern ein neues Kommunikationsverständnis.

Durch den Einsatz digitaler Technologien können Marken nachhaltiger, transparenter und persönlicher mit ihren Zielgruppen interagieren – ohne auf die emotionale Kraft des physischen Mediums Papier zu verzichten.


Sabine Goemann (IGEPA Group)
fasst es treffend zusammen:

„Papier bleibt das Medium, das Menschen berührt. Wenn wir es intelligent mit digitalen Welten verbinden, entsteht Kommunikation mit Zukunft.“

Sabine Goemann auf der Print & Digital Convention in Düsseldorf 2025

Über die Referenten

Mann mit Brille und Bart in einem Anzug

Uwe Melichar


ist mit seinem 2020 gegründeten Unternehmen Melichar Bros „Partner Europe“ seit 2024 der britischen Agentur Touch. In Projekte mit Kunden in verschiedenen europäischen Ländern, Japan, China und den USA bringt er seine Expertise als Verpackungs- und Kommunikationsdesigner ein und baut das Kundengeschäft in Europa aus. Er war zuvor 25 Jahre lang als geschäftsführender Gesellschafter für den Bereich Packaging der Markenagentur Factor zuständig.

Er ist Absolvent der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Als Dozent, z. B. der Universität Augsburg, gibt er sein Wissen an Studierende weiter. Zudem ist er Vizepräsident der European Brand and Packaging Design Association (epda) und „Lifetime Member“ des Type Directors Club in New York.

Zu seinen Kunden zählen namhafte Marken wie Adidas, Bosch, C&A, Gardena, Omron und Miele.

Mann mit Bart und im Anzug

Stefan Casey


holte 2024 Uwe Melichar zu Touch. Aktuell ist er Head of Ecosystem bei der Agentur SharpEnd / io.tt, wo er für Partnerschaften und kreative Lösungen im Bereich vernetzter Produkte verantwortlich ist. Zuvor war er über acht Jahre in verschiedenen leitenden Positionen bei Nestlé tätig.

Seine berufliche Laufbahn umfasst zudem Leitungstätigkeiten in Marketing und Innovation bei Firmen wie KPMG Nunwood sowie ein Engagement beim Chartered Institute of Public Relations. Seine Expertise liegt in der digitalen Transformation, in der Markenstrategie und im Verpackungsdesign.

Frau mit kurzer Frisur und Brille

Sabine Goemann


Die ausgebildete Designerin und graduierte Nachhaltigkeits- und Innovationsmanagerin Sabine Goemann arbeitet seit 15 Jahren in Führungspositionen in der Papierbranche. Sie leitet das Team Group Marketing bei der IGEPA Group. International vernetzt, beschäftigt sie sich mit der Gestaltung von Prozessen, Benchmarking und Produktanalysen, Kunden- und Lieferantendialog, Resilienzen sowie dem Wandel in der Druckbranche.

Sie spricht auf Kongressen und moderiert Fachpanels rund um die Themen Zukunftsforschung und Transformationsdesign. Das Thema Papier und Haptik präsentiert sie zudem ausführlich in (Web)-Seminaren und Workshops, z. B. in der IGEPA Akademie.


Fotos und Videos

Victor Beusch Fotograf auf der Print & Digital Convention in Düsseldorf 2025

Fotos und Videso sind entstanden in Kooperation mit Fotograf Victor Beusch (Trier).
Aufgenommen auf der Print & Digital Convention in Düsseldorf 2025.

Mehr zu Victor Beusch finden Sie hier: www.victorbeusch.de


FAQ: Smart Packaging & digitale Transformation in der Druckbranche


 

1. Was bedeutet „Smart Packaging“ konkret?


Smart Packaging bezeichnet Verpackungen, die durch digitale Technologien wie QR-Codes, NFC oder AR erweitert werden. Sie verknüpfen physische Produkte mit digitalen Informationen, schaffen Interaktion und ermöglichen Datenanalyse in Echtzeit.

 

2. Wie verbindet Smart Packaging die Print- und Digitalwelt?


Durch das Einbetten digitaler Schnittstellen (z. B. QR-Code) in gedruckte Verpackungen entsteht ein hybrides Medium: Print bleibt haptisch erlebbar, während digitale Inhalte erweiterte Funktionen wie Storytelling, Transparenz oder Serviceinformationen liefern.

 

3. Welche Vorteile bietet Smart Packaging für Marken und Verbraucher?


  • Marken: bessere Kundendaten, nachhaltige Kommunikation, Fälschungsschutz.
  • Verbraucher: transparente Informationen, Mehrsprachigkeit, Interaktion und Vertrauen.

 

4. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Digitalisierung von Verpackungen?


Digitale Layer reduzieren den Materialverbrauch (z. B. durch Wegfall von Beipackzetteln) und fördern Informationszugang über Recycling oder CO₂-Bilanz – ein wesentlicher Beitrag zur PPWR-konformen Verpackungsgestaltung.

 

5. Warum hinkt Deutschland bei Smart Packaging hinterher?


Laut Uwe Melichar liegt das an kultureller Skepsis gegenüber digitaler Veränderung. Gleichzeitig betont er: „Die Basis ist da – Marken, Druckereien und Agenturen müssen nur den ersten Schritt wagen.“

 

6. Welche Perspektive sieht die IGEPA group?


Die IGEPA Group versteht sich als Brückenbauerin zwischen der physischen und digitalen Welt. Papier bleibt ein emotional starkes Kommunikationsmedium – ergänzt durch digitale Services wird es zum nachhaltigen Innovationsträger.