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  LIEBE IST...
WENN ES PAPIER IST

Eine HOMMAGE an ein ganz besonderes Material

Kann man Papier lieben? So leidenschaftlich, dass ohne es etwas fehlen würde? So aufrichtig, dass man gemeinsam mit ihm die glücklichsten Momente erlebt? Ja, man kann. Wir haben drei kreative, in völlig unterschiedlichen Bereichen aktive Menschen gefragt, was ihre persönliche Beziehung zu diesem ganz besonderen Stoff ausmacht. Und ihre Antworten waren so schön, so überzeugend, dass wir sie für Sie festgehalten haben – natürlich auf Papier.

BERTHOLD MEYER
Friedensforscher

Dr. Berthold Meyer, 1944 in Eitorf geboren, ist Politikwissenschaftler und war viele Jahre Mitarbeiter der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main.

„Wenn es nicht paradox wäre, würde ich sagen, zwischen uns passt kein Blatt Papier, so eng ist die Verbindung. Eine Welt ohne Papier wäre für mich wie ein Rückfall in die Steinzeit, selbst wenn es noch elektronische Medien gäbe, weil ich mich immer vor dem Zusammenbruch der Festplatte und damit des Gedächtnisses fürchten würde. Das Papier, das am meisten Einfluss auf mein Leben hatte, war wohl jene Ausgabe der WAZ, in der ich mit 16 zum ersten Mal meinen Namen unter einem Artikel gelesen habe. Da wusste ich, mein Geschreibsel kommt auch außerhalb der Schule an. Auf politischer Ebene war aus meiner Sicht das wichtigste Dokument des vergangenen Jahrhunderts die Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki von 1975. Dadurch, dass sie auch in der Sowjetunion und den anderen Ländern Osteuropas veröffentlicht werden musste, hatten die Bürgerrechtsbewegungen dort ein Papier in der Hand, auf das sie sich in den folgenden Jahren ihres Freiheitskampfes berufen konnten. Ohne dieses wären die Revolutionen in den realsozialistischen Ländern kaum möglich gewesen und hätten schon gar nicht mit so wenig Blutvergießen zum Erfolg geführt. Wenn ich einen Liebesbrief ans Papier schreiben sollte? Ich habe mir vor vielen Jahren einmal in der Provence handgeschöpftes Papier gekauft. Das würde ich nehmen. Und dann würde ich mir eine unsichtbare Tinte für Geheimschriften besorgen, damit der Liebesbrief von niemand anderem als dem Papier selbst gelesen werden kann. Und deshalb darf ich auch gar nicht verraten, was darin steht.“

ANDREAS FRANZ
Schriftsteller

1986 schrieb der bekannte Krimiautor Andreas Franz seinen ersten Roman, doch erst 1996 wurde mit „Jung, blond, tot“ sein erstes Buch veröffentlicht. Im Mittelpunkt seiner Romane steht in der Regel Hauptkommissarin Julia Durant von der Frankfurter Mordkommission. Zuletzt erschienen: „Mörderische Tage“ (Knaur 2009). Seit 1994 lebt der 1954 in Quedlinburg geborene Autor mit seiner Familie in Hattersheim bei Frankfurt am Main. www.andreas-franz.org

„Nach mittlerweile insgesamt 20 Büchern fühlt es sich immer noch sehr gut an, ein eigenes Werk in Händen zu halten, es ist allerdings nicht mehr dieses Prickeln und Kribbeln wie beim ersten Buch. Das war ein ganz besonderer Moment, den ich nie vergessen werde. Da waren Gedanken wie ’Du hast etwas für die Nachwelt hinterlassen‘. Einfach nur super. Mehrmals hätte ich alles dafür gegeben, in besonderen Momenten ein Blatt Papier dabei zu haben, zum Glück habe ich es immer geschafft, meine Gedanken so lange zu behalten, bis ich etwas zum Schreiben gefunden hatte. Doch seit einigen Jahren trage ich immer ein Notizbuch und ein Diktiergerät bei mir. Weißes Papier mag ich eigentlich gar nicht so gern, weil es häufig blendet, vor allem in künstlichem Licht. Ich bevorzuge in der Regel eher gelbliches Papier. Würde ich einen Liebesbrief ans Papier schreiben, dann folgenden: ’Lieber Baum, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du für dieses Papier groß und stark in den Himmel gewachsen bist, dein Andenken bleibt in ihm bewahrt. Es würde dir Freude bereiten, denn es ist ein Brief an das Papier, das für meinen Beruf unerlässlich ist. Bütte mit einem tollen Wasserzeichen – ich denke, es dürfte dir gefallen, so wie es mir gefällt. Danke. Für alles.‘ “

YULIA BRODSKAYA
Künstlerin

Yulia Brodskaya, 1983 in Moskau geboren, heute in London lebend, hat sich mit ihren kreativen Papierillustrationen, in denen sie gefaltetes Papier zu außergewöhnlichen typografischen Gebilden formt, auch international einen Namen gemacht. Sie entwirft Papierdesigns für Kunden in aller Welt. www.artyulia.com

„Ich hatte schon immer eine spezielle Faszination für Papier. Seit einigen Jahren sammele ich die verschiedensten Papiere, mache Origami, Collagen, Papierskulpturen, stelle Papierbögen selbst her. Dabei wird mir jedes Mal die Schönheit und große kulturelle Bedeutung von Papier vor Augen geführt. Aber erst über die Quilling-Technik habe ich meinen ganz persönlichen Zugang zu dem Material gefunden. Hierfür werden Papierstreifen gerollt, geformt, oder zu einer Hintergrundfläche zusammengeklebt, um ungewöhnliche Designs zu schaffen. Besonders mag ich das Kreieren von Schriftzügen aus diesen Papierstreifen – denn Typografie ist meine zweite große Liebe. Ich bin froh, dass ich einen Weg gefunden habe, meine beiden Leidenschaften zu vereinen. In den vergangenen Jahren ist Papier für mich fast zu einer Art Besessenheit geworden: Meine Wohnung ist bis obenhin gefüllt mit Unmengen von Papieren in verschiedenen Größen, Farben, Texturen und Grammaturen. Meine Freunde wissen längst, dass es für mich kein schöneres Geschenk gibt als ein Paket mit leuchtend farbigen Papieren. Und wenn ich shoppen gehe, dann kaufe ich nicht etwa Kleider, sondern Papier. Im Urlaub führt, egal wo ich gerade bin, immer mein erster Weg in den örtlichen Schreibwarenladen – ein Muss auf jeder Reise.“



 
 
   

 
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